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Zwischen Heiterkeit und Ernst

Kritik von Dr. Stefan Drees, 04.09.2006


Interpretation:       * * * *
Klangqualität:         * * * *
Repertoirewert:      * * * *
Booklet:                     * * *


"In den ‘Laureate Series’, mit denen das Label Naxos preisgekrönten jungen Künstlerinnen und Künstlern ein Forum zur Verfügung stellt, kann man bisweilen sehr interessante Entdeckungen machen – so auch im Falle der jungen niederländischen Geigerin Simone Lamsma, u.a. 2004 erste Preisträgerin des ‘Benjamin Britten International Violin Competition’, die sich gemeinsam mit der japanischen Pianistin Yurie Miura einem rund einstündigen Programm mit Kompositionen Edward Elgars widmet. Der besondere Reiz der Produktion liegt in der Verbindung von elf eher leichtgewichtigen, melodienseligen Miniaturen mit der ernsten und ambitionierten Sonate e-Moll op. 82 (1918), einem leider eher selten gespielten Werk, das jedoch zu Elgars gelungensten Schöpfungen gerechnet werden kann.


Ständige Wechsel von emotionalen Schattierungen und – oft nur minimalen – Tempomodulationen machen die dreisätzige Sonate zu einem diffizil zu realisierenden Stück, bei dem allzu leicht die klangliche Balance zu Ungunsten der Violine verloren geht. Die beiden Musikerinnen vermeiden dieses Dilemma, indem sie zwar das Espressivo der Musik nachzeichnen, sich aber bei den Ausbrüchen eher zurückhalten. Diese auf Ausgewogenheit bedachte Vorsicht geht im Finale ein wenig auf Kosten von spannungsreichen Steigerungen, die sich allzu lange im Piano- oder Mezzofortebereich bewegen und nicht recht ausgespielt werden. Der Kopfsatz ist weitaus packender musiziert, doch könnten die unterschiedlichen Akzentuierungen im Klavierpart durchaus plastischer hervortreten. Das Zusammenspiel kommt jedoch umso stärker bei der Wiedergabe des langsamen Mittelsatzes zur Geltung, dessen fast schon improvisatorisch anmutende Gesten zu einem verspielten Dialog entfaltet werden, in dem jeder Farbtupfer an der richtigen Stelle sitzt.

Auch wenn Lamsmas Vibrato im Kopfsatz der Sonate bisweilen etwas exaltiert wirkt, punktet die Geigerin mit einem überaus anpassungsfähigen Ton, dessen Wandlungsfähigkeit Elgars Salonpiècen den Flair des Besonderen verleiht. Zwar können sich die Stücke nicht mit dem musikalischen Anspruch von op. 82 messen, doch zeugen sie eindrucksvoll von der melodischen Erfindungsgabe des Komponisten. Das Klavier tritt entsprechend zurück und liefert den harmonisch freilich sehr subtil gestalteten Hintergrund für die Melodien und Arabesken, die Lamsma selbst in Werken wie dem bekannten ‘Salut d‘amour’ op. 12 ohne Kitsch und Sentimentalität vor dem Hörer auszubreiten versteht. Dass die Geigerin genau weiß, wie die Stücke anzupacken sind, zeigt sie, indem sie – etwa in ‘Chanson de nuit’ und ‘Chanson de matin’ op. 15 – zu einer bedächtigen, fast brüchigen Tongebung übergeht, ohne dass die Atmosphäre der Musik darunter leidet. Dass aber auch der Spielwitz nicht zu kurz kommt, lässt sich am zauberhaften ‘ La Capricieuse ’ op. 17 ablesen, das, unterstützt von dem genau an jede Ausdrucks- und Temponuance angepassten Spiel der Pianistin, für mich zu den Höhepunkten dieser sympathischen und empfehlenswerten Produktion gehört." 


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