Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg Dietger Holm, Dirigent
Lalo Symphonie espagnole op.32
“Erinnerung an eine Sommernacht”
Heidelberger Schlossfestspiele: Glinka, Lalo, Elgar und Rimski-Korsakow mit iberischen Werken bei der „Spanische Nacht“
“Spanien, das Land der lauen Sommernächte, der leidenschaftlichen Stierkämpfe und der temperamentvollen Tänze, Spanien fasziniert die Menschheit nicht erst, seit sie in einem beispiellosen aeroflotten Kraftakt die alte Welt aus Stadt-Land-Fluss zu einem globalen Dorf zusammengeschrumpft hat. So verbindet europäische Komponisten seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Spanien und seiner rassig-rhapsodischen Musik eine „entente cordiale“, die sich seit Michail Glinkas Fantasie „Erinnerung an eine Sommernacht in Madrid“ konsequent durch die Musikgeschichte zog. Davon legte die „Spanische Nacht“ des Philharmonischen Orchesters der Stadt Heidelberg unter der Leitung von Dietger Holm im Rahmen der Schlossfestspiele ein beeindruckendes Zeugnis ab. Beeindrucken musste die Vorstellung vor allem deshalb, weil dem Orchester mit der Aufführung von Eduard Lalos berühmter „Symphonie espagnole“ op. 21 ein Griff in die Sterne gelang, der nicht unbedingt vorherzusehen war. Nachdem die ursprünglich für das fünfsätzige Violinkonzert vorgesehene Solistin ihren Part kurzfristig abgesagt hatte, sprang die 24-jährige Geigerin Simone Lamsma für sie ein: Ein echter Glücksgriff, denn Lamsma spielte nicht nur bereits in frühester Jugend solistisch unter Größen wie Sir Neville Marriner und Yehudi Menuhin. Sie besitzt auch eine sagenhafte künstlerische Begabung. Nicht nur die melodiösen Passagen zwischen den fliegenden Wechseln von hohen und tiefen Lagen erklangen inwarmen, vollen Tönen. Auch scharf rhythmisierte und virtuoseste Scharnierstellen besaßen eine dynamisch exakte, voluminöse Fülle, die nur über die hervorragende Bogentechnik staunen ließ. Das Orchester brillierte, angeführt von einer Geigerin, die die melodiösen Passagen förmlich aufblühen und die höchsten Triller vogelgleich zwitschern ließ, in exzeptionell ausgewogener Dynamik. So gelangen Sternstunden, die sich in den Vortrag von Edward Elgars Oerchestersuite über Themen seiner unvollendeter Oper „The Spanish Lady“ und Nikolai Rimski-Korsakows „Capriccio espagnol“ in den klaren Nachthimmel hinein fortsetzten. Sicherlich ist ein gewisser Deutungsspielraum zu der Frage gegeben, wie spanisch gerade Elgars „Spanish Lady“ wirklich klingt. Das konnte aber dem Musikgenuss keinen Abbruch tun, der sich nach der gelungenen Aufführung unweigerlich einstellte.”