Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg Dietger Holm, Dirigent
Lalo Symphonie espagnole op.32
“Spanien aus Sicht der Touristenschar”
“Heidelberger Schlossfestspiele: Philharmoniker reisen gen Süden”
“Spanien war wohl immer schon ein Urlaubsland, gerade auch für Komponisten. Und so kann das erste Heidelberger Schlosskonzert in diesem Jahr die Pointe setzen, lauter "spanische" Musik zu bringen, die von Nicht-Spaniern geschrieben wurde (nur die Zugabe fällt aus der Reihe, Manuel de Fallas "Feuertanz"). Nicht immer ist der Grad der Einfühlung, die Spanien-Liebe groß: Landjunker Edward Elgar etwa schätzte allenfalls den Sherry, den er vor dem Dinner schlürfte. Seine "Spanish Lady Suite" für Streicher tönt gestelzt und förmlich. In der Schluss-Bourrée barockisiert sie gar, und gestriger konnte Musik im Jahre 1934 schwerlich klingen.
Doch das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg entlockt ihr unter Dietger Holm eine gewisse schwermütige Schönheit. Im Adagio liegt das Empire - das spanische oder das englische, es ist egal - in mildem Herbstlicht, und der Streicherapparat fühlt sich auch sonst warm und elastisch an. So haben Stücke von nicht immer höchstem Rang doch ihre individuelle Note: In Michail Glinkas tönender "Erinnerung an eine Sommernacht in Madrid" stellt Holm keinen kompakten Open-Air-Sound in den Schlosshof, sondern legt das Klangbild duftig-luftig an, wobei die guten Bläser fast sektiererisch auf ihrer Eigenständigkeit beharren.
Beiläufig gezeigte Virtuosität
In der "Symphonie espagnole" von Edouard Lalo, die eigentlich das zweite Violinkonzert des Komponisten ist, besticht Simone Lamsma mit fein ausphrasiertem Sehnsuchtston. Neben der selbstverständlich und fast beiläufig gezeigten Virtuosität geben sich nachdenkliche, dunklere Facetten zu erkennen. Es ist nicht allein die Höflichkeit des Gastgebers, wenn Dietger Holm der 24 Jahre alten Niederländerin eine Karriere auf den internationalen Podien prophezeit. Er selbst poliert die "reine Oberfläche" im "Capriccio espagnol" Nikolai Rimski-Korsakows. Und im Orchester zeigen viele Stimmführer, dass sie ihr Instrument beherrschen.”
Hans-Günter Fischer, Mannheimer Morgen, 30. Juni 2009